Es geht nur mit Fuß- und Handabdruck

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Stefan Rostock von Germanwatch e.V. sprach im Studium generale.

Vortrag des Studium-generale-Programms zur gesellschaftlichen Transformation in der Klimakrise

NÜRTINGEN (hfwu). Bei der Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft geht es nicht nur um individuelle Anstrengungen wie sie der „CO2-Fußabdruck“ abbildet. Notwendig und langfristig wirksamer ist, auch den „CO2-Handabdruck“ zu vergrößern. Das Konzept erläuterte Stefan Rostock von Germanwatch e.V. bei einem Studium-generale-Vortrag an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen.

„Die Lage ist wirklich dramatisch. Wir befinden uns in einer global galoppierenden Klimakrise“, so der Befund von Rostock, der an der HfWU vor rund 50 Interessierten sprach. Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: ungebremst ansteigende Temperaturen, 2024 gab es die höchsten jemals gemessenen CO2-Emissionen, „alle Kipppunkte im Klimasystem sind auf aktiv geschaltet“. Aber, so Rostock, wir leben in der Klimakrise, gleichsam aber auch mitten in der Transformation. „Das ist die gute Nachricht – Nachhaltigkeit wird heute viel besser mit ihren vielfältigen Dimensionen verstanden und viel prägnanter formuliert.“ Jeder baue vor diesem Hintergrund durch seinen individuellen Beitrag an der Zukunft mit. Rostock leitet den Bildungsbereich bei Germanwatch, eine in Bonn ansässige Entwicklungs- und Umweltorganisation, die sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen engagiert.

Allerdings, der Blick allein auf den Einzelnen sei zu eng. „Die Reaktion auf die Klimakrise verlangt Verantwortungsübernahme von Entscheidungsträger:innen“, ist Rostock überzeugt. Mit einer Abwälzung der Problematik auf das Individuum sei es nicht getan. Genau diese Wirkung habe das Konzept des CO2-Fußabdrucks. Das stammt ursprünglich vom Ölkonzern BP. Das Unternehmen stellte 2004 einen CO2-Rechner vor, mit dem Einzelpersonen berechnen können, für wie viel CO2-Emissionen sie verantwortlich sind. BP lenkte mit der Kampagne die Aufmerksamkeit vom massiven CO2-Fußabdruck des Energie- und Industriesektors auf Individuen um. Unterschwellig werde damit zudem suggeriert, dass es nur mit Verzicht gehe.

Gerade Bildungsarbeit aber brauche eine positive Botschaft, so Rostock. Dafür eigne sich der „CO2-Handabdruck“. Mit ihm wird berechnet und versinnbildlicht, was jemand bereits erreicht hat und wie man im eigenen Umfeld noch mehr erreichen kann. Damit richte sich der Handabdruck nicht wie der Fußabdruck nur auf das Individuum, sondern auch auf die Strukturen. „Bildung für Nachhaltige Entwicklung muss sich auf die tieferen strukturellen Ursachen einer nicht nachhaltigen Entwicklung konzentrieren,“ fordert der „NRW-Fachpromotor für Klima und Entwicklung“. Vorrangige Zielgruppen der Bildungsarbeit seien daher politische Führungskräfte, Leitungspersonal von Organisationen und Institutionen.