NÜRTINGEN (hfwu). Wohnraum, Ackerland, Verkehrsflächen und alles im Einklang mit dem Naturschutz. Die Anforderungen an unsere Flächen sind vielfältig. Deshalb ist es umso wichtiger, ins Gespräch zu kommen, um die unterschiedlichen Sichtweisen und Anforderungen kennenzulernen und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Dafür will das 4. HfWU-Hochschulforum IBA’27 am 4. April die Möglichkeit schaffen. Unter dem Titel „Flächenkonkurrenz in The Länd – Knappe Flächen sinnvoll nutzen“ findet der Austausch im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA’27) in der Stadtregion Stuttgart von 9 bis 13 Uhr an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen statt.
Einerseits fehlt bezahlbarer Wohnraum, andererseits haben wir kaum noch Flächen, um regional hochwertige Lebensmittel zu produzieren. Der Raum in der Metropolregion Stuttgart ist wie vielerorts in Deutschland und Europa knapp. Die Kommunalverwaltungen und Gemeinderäte kennen die Situation, vor Ort abwägen zu müssen, welcher Raum wie genutzt werden soll. Die Ernährungssicherheit und die Situation der Landwirtschaft ist ebenso angespannt, wie die Lage auf dem Wohnungsmarkt. Die Referenten am 4. HfWU-Hochschulforum wollen aufzeigen, wie es gemeinsam gelingen kann, die begrenzten Flächen möglichst sinnvoll für die Bevölkerung zu nutzen. Luisa Pauge, Dezernentin beim Gemeindetag Baden- Württemberg, stellt die Situation für den Wohnungsbau dar. Sie wird als Vertreterin von über 1000 Städten und Gemeinden aufzeigen, warum es mit dem Wohnraumzuwachs so langsam vorwärts geht und welche Stellschrauben Beschleunigung bringen können.
Nach einem sicheren Dach über dem Kopf ist die Nahrungsversorgung ein weiteres Grundbedürfnis. Dafür erläutert Prof. Dr. Lukas Kiefer vom Studiengang Agrarwirtschaft der (HfWU) die besonderen Anforderungen an landwirtschaftliche Flächen und Produktionsbedingungen. Er betrachtet dabei insbesondere auch die künftigen Anbaubedingungen unter Berücksichtigung der Klimaveränderungen.
Dass Ernährungssicherheit und Wohnraumvorsorge als elementare Grundbedürfnisse zentrale Anforderung sind, zeigt Maximilian Fischer. Er wird darüber hinaus weitere Nutzungsansprüche vorstellen. Der Landesentwicklungsplan, den das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen derzeit fortschreibt, setzt dabei die Leitplanken für zusätzliche Flächennutzung, seien es Energie, Siedlungs- oder Verkehrszwecke sowie die effiziente Siedlungsentwicklung.
Wie Ernährungsproduktion im städtischen Kontext funktionieren kann, zeigt HfWU-Alumnus Ulrich Dilger. Er ist Mitglied der Regionalversammlung des Verbandes Region Stuttgart (VRS) und IBA-Koordinator der Stadt Fellbach. Das dortige IBA-Projekt gilt als Vorreiter für unzählige Standorte, weshalb die dort entwickelten Ideen beispielhaft für die ganze Region sein können. Dort treffen Landwirtschaft und Gewerbe direkt aufeinander und sollen zu lebenswertem urbanen Raum werden. Wenig Grünflächen, eine hohe Versiegelung, kaum Aufenthaltsqualitäten und eine geringe bauliche Dichte prägen derzeit das Bild auf der 110 Hektar großen Fläche.
Ein eigenes Lehrmodell zum Verständnis von Landnutzungskonflikten hat Dr. Ellen Fetzer vom Studiengang International Master of Landscape Architecture der HfWU im Rahmen eines internationalen Projektes mitentwickelt. Dabei haben Studierende der Planungs- und Wirtschaftswissenschaften die begrenzte Ressource „Fläche“ unter die Lupe genommen. Das dabei gewonnene Know-how soll künftig helfen, die Flächenkonkurrenz der entsprechenden Nutzung aufzubrechen und Mitwirkungsmöglichkeiten bei Planungsprozessen für eine nachhaltige Lösung umzusetzen.
Nach den Impulsreferaten werden die Referenten in der abschließenden Podiumsdiskussion ihre Standpunkte gemeinsam diskutieren. Dazu werden sich noch IBA-Intendant Andreas Hofer und aus der Wohnungswirtschaft Josef Vogel anschließen. Vogel ist als kaufmännischer Vorstand der Landes-Bau-Genossenschaft Württemberg eG täglich damit beschäftigt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Landesbaugenossenschaft gilt mit über 5600 Wohnungen als etabliertes Wohnungsunternehmen im Land. Andreas Hofer ist seit 2018 Intendant der IBA und verantwortet die inhaltliche Arbeit des 25-köpfigen IBA-Teams. Die IBA’27-GmbH berät, vernetzt, unterstützt, dokumentiert und entwickelt die Projekte zusammen mit den Partnerorganisationen. Sie setzt dabei auf den Austausch zwischen den Projekten und mit Fachleuten aus der ganzen Welt. Moderiert wird die Veranstaltung von Verica Grimm von der Stadtberatung Dr. Sven Fries.
Programm am 4. April; HfWU Nürtingen (Gebäude CI10, Sigmaringer Str. 25)
9:00: Ankommen & Registrierung
9:15: Begrüßung und Einführung, Prof. Dr. Markus Mändle, HfWU und Verica Grimm, Stadtberatung Dr. Sven Fries GmbH
9:30: Wie können all die notwendigen Wohnungen entstehen? Luisa Pauge, Gemeindetag Baden Württemberg
9:50: Ernährungssicherheit trotz fehlender Flächen, Prof. Dr. Lukas Kiefer, Studiengang Agrarwirtschaft HfWU
10:10: Leitplanken für die Flächennutzung in The Länd, Maximilian Fischer, Referent im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg
10:30: Pause
10:50: Agriculture meets Manufacturing, Ulrich Dilger Dipl. Ing (FH), Stadtplanungsamt und IBA-Koordinator Fellbach, Mitglied der Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart (VRS)
11:10: Landnutzungskonflikte verstehen und in innovative Lösungen transformieren, Dr. Ellen Fetzer – Studiengang International Master of Landscape Architecture HfWU
11:30: Pause
11:45: Podiumsdiskussion, moderiert von Verica Grimm, u.a. mit Ulrich Dilger, Dr. Ellen Fetzer, Maximilian Fischer, Andreas Hofer, Prof. Dr. Lukas Kiefer, Luisa Pauge, Josef Vogel.
Ende gegen 13 Uhr
Anmeldelink:
https://www.hfwu.de/anmeldung-zur-veranstaltung-studium-generale/