Erfolgreicher Abschluss von zwei Forschungsprojekten zum Thema Landschaftsbild in Thüringen

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Vertikalbauwerke (Windkraftanlagen und Strommasten) haben erhebliche Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Foto: ILU

Im Jahr 2018 konnten zwei Forschungsprojekte unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Roth im Auftrag der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG, jetzt Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN)) erfolgreich abgeschlossen werden, die den Freistaat Thüringen flächendeckend untersuchten. Zum einen wurde eine Bewertung des Landschaftsbildes als Basis für die Festsetzung von Ersatzgeldern vorgenommen. Zum anderen erfolgten Einsehbarkeitsanalysen, um die Empfindlichkeit des Landschaftsbildes flächendeckend zu indizieren.

Im März 2018 startete das Projekt „Abgrenzung von Landschaftsbildeinheiten als Basis für die Bemessung von Ersatzgeldzahlungen in Thüringen“. Der Bau von Vertikalstrukturen, wie in Abbildung 1 dargestellt, führt zu erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft, die hinsichtlich des besonders betroffenen Landschaftsbildes nicht kompensiert werden können. Daher sind Ersatzgeldzahlungen zu entrichten. Um deren Höhe raumdifferenziert bemessen zu können, ist eine Grundlage zum Wert der umgebenden Landschaft notwendig. Diese zu erstellen, war das Projektziel.

Hierfür war zunächst eine flächendeckende Bewertung des Landschaftsbildes notwendig. Aus Zeitgründen erfolgte keine empirische Befragung der Bevölkerung, sondern theoretisch und empirisch begründete Indikatoren, die das Landschaftsbild prägen, wurden in dem rasterbasierten Ansatz mit Hilfe von GIS quantifiziert. Dabei wurden 1 km2 Zellen betrachtet. Durch die Überlagerung der Einzelwerte konnte ein Gesamtwert pro Zelle abgeleitet werden. Nach der Glättung der Ergebnisse erfolgte eine manuelle Abgrenzung von Landschaftsbildeinheiten, wofür unter anderem das Luftbild herangezogen wurde, um reale Raumgrenzen zu identifizieren. Im Ergebnis liegen Daten für den Freistaat Thüringen vor, die das Landschaftsbild zum Zweck der Ersatzgeldbemessung für Vertikalbauwerke in sechs Wertstufen einteilen.

Im August schloss sich das Projekt „Einsehbarkeitsanalysen zur Bewertung der Empfindlichkeit des Landschaftsbildes gegenüber Vertikalbauwerken in Thüringen“ an. Innerhalb der Bewertung des Landschaftsbildes wird die Empfindlichkeit gegenüber Vorhaben oft vernachlässigt. Vertikalbauwerke, wie Windkraftanlagen oder Freileitungen, besitzen eine hohe visuelle Wirksamkeit, weswegen eine präzise Standortwahl nötig ist, die besonders empfindliche Bereiche der Landschaft meidet. Innerhalb des Projekts sollten empfindliche und weniger empfindliche Räume identifiziert werden.

Hierfür wurden flächendeckende Einsehbarkeitsanalysen mit 10 m-Auflösung durchgeführt. Dabei wird mittels GIS untersucht, von wie vielen fiktiven Beobachterpunkten in der Umgebung die Objektspitze sichtbar wäre, wenn sie in der Mitte der 10 m-Zelle platziert werden würde. Die Objekthöhe bestimmt maßgeblich das Ergebnis, da höhere technische Elemente mehr landschaftliche Strukturen überragen. Insgesamt wurden drei Einsehbarkeitsanalysen mit den Untersuchungswerten 60 m (Strommasten), 200 m und 250 m (Windkraftanlagen) durchgeführt. Die ermittelte Sichtbarkeitshäufigkeit wurde in sieben Empfindlichkeitsstufen reklassifiziert. Die hohe Auflösung ermöglicht eine exakt verortete Aussage zur Empfindlichkeit des Landschaftsbildes.

Die Projektergebnisse sind in folgenden Veröffentlichungen detailliert dargestellt:

Roth, M. & Fischer, C. (2018): Abgrenzung von Landschaftsbildeinheiten als Basis für die Bemessung der Höhe von Ersatzgeldzahlungen in Thüringen. Erläuterungsbericht zu dem Projekt im Auftrag der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG). Nürtingen: Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), Institut für Landschaft und Umwelt (ILU) 64 S.

Roth, M. & Fischer, C. (2018): Einsehbarkeitsanalysen zur Bewertung der Empfindlichkeit des Landschaftsbildes gegenüber Vertikalbauwerken in Thüringen. Erläuterungsbericht zu dem Projekt im Auftrag der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG). Nürtingen: Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), Institut für Landschaft und Umwelt (ILU) 44 S.

Ansprechpartner für beide Projekte sind

Prof. Dr. Michael Roth michael.roth@no spamhfwu.de

und Caroline Fischer caroline.fischer@no spamhfwu.de

 

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